Neue Augenklinik in Ambam nach einjähriger Bauzeit eröffnet

Der Neubau unserer Augenklinik im südkamerunischen Ambam ist möglich geworden durch die großzügige finanzielle Unterstützung der Else Kröner-Fresenius-Stiftung in Höhe von 60.000 Euro, womit der Löwenanteil der Baukosten abgedeckt werden konnte. Diese gemeinnützige Stiftung widmet sich der Förderung medizinischer Forschung und unterstützt medizinisch-humanitäre Projekte.

Lage von Ambam in Süd-Kamerun

Bauherr ist der Partner der Augenhilfe Afrika, die kamerunische Fondation Médicale Kacheu, die von unseren beiden in Deutschland ausgebildeten Augenärzten Dr. Raoul Cheuteu und Prof. Dr. Giles Kagmeni gegründet wurde. Die Grundsteinlegung fand am 24.02.2020 unter Beteiligung des deutschen Militärattachés Oberstleutnant Fritz Dollwet von der Deutschen Botschaft in Yaoundé statt (wir berichteten).

In seiner Ansprache bei der Grundsteinlegung dankte Dr. Cheuteu den vielen Unterstützern des Projekts und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die neue Augenklinik in Ambam ein Modell für die Erweiterung des Zugangs zu qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung in Zentralafrika werden möge. Und das nicht nur zur Bekämpfung von Augenkrankheiten, sondern auch zur Verringerung der Mütter-, Neugeborenen- und Kindersterblichkeit.

Dr. Raoul Cheuteu in Korschenbroicher Schützen-Uniform bei der Grundsteinlegung
Präfekt Bouba Haman übergibt die Maurerkelle an Militärattaché Oberstleutnant Fritz Dollwet

Im südlichen Kamerun ist die neue Klinik in Ambam – wie auch schon die bisherige, in einem Mietgebäude untergebrachte alte – die einzige Anlaufstelle für blinde und sehbehinderte Menschen. Ihr Einzugsbereich beschränkt sich aber nicht auf Süd-Kamerun, sondern erstreckt sich auch auf das benachbarte Äquatorial-Guinea und die nördlichen Landesteile von Gabun.

Versorgt werden Patienten aller sozialen Schichten und Ethnien. Behandlung und Ausgabe von Medikamenten sowie von maßgeschneiderten Brillen, die in der integrierten Augenoptikerwerkstatt angefertigt werden, erfolgen gegen eine Gebühr, die sich an den finanziellen Möglichkeiten der Patienten orientiert. Die Anzahl der Augenuntersuchungen pro Jahr ist mit 1.500 geplant, die der durchgeführten Operationen mit 160.

Da wegen der Corona-Pandemie die jeweils nur etwa 20 km von Ambam entfernten Grenzen zu den Nachbarstaaten Gabun und Äquatorial-Guinea geschlossen sind, können von dort zurzeit keine Patienten zur Behandlung nach Ambam gelangen. Die Anzahl der Patienten in der Augenklinik in Ambam reduziert sich dadurch naturgemäß, wenn auch nur vorübergehend.

Unmittelbar nach dem durch die Grundsteinlegung erfolgten offiziellen Startschuss beginnen die Bauarbeiten. Die Baugrube sowie Fundament- und Leitungsgräben werden in erforderlicher Tiefe ausgehoben und die für das Gebäude benötigten Bausteine direkt vor Ort hergestellt. Es geht zügig voran, und schon Anfang Mai entsteht die Dachkonstruktion, so dass bereits kurz darauf die Dachdeckerarbeiten beginnen können.

Baubeginn
Die Herstellung der benötigten Steine erfolgt direkt vor Ort
Langsam wachsen die Mauern hoch
Anfang Mai entsteht die Dachkonstruktion, …
… und die Dachdeckerarbeiten beginnen.
Gemeinsames Abendessen der Bauarbeiter

Im größeren Gebäudeteil der neuen Augenklinik werden der Empfang, die Untersuchungsräume, der Augenoptikerbereich und eine kleine Küche untergebracht, im ganz bewusst etwas abgesetzten kleineren Teil die Anästhesie- und Operationsräume. Denn aus dem OP-Bereich sollen die nicht zu einer Operation vorgesehenen Besucher bzw. Patienten konsequent herausgehalten werden. In beiden Gebäudeteilen werden modern eingerichtete Toiletten- und Waschräume für Patienten, Besucher und Personal eingebaut.

Im ursprünglichen Bauplan wurde darauf verzichtet, eine eigene Wasserversorgung mit professioneller Filteranlage vorzusehen, was sich sehr bald als gravierender Nachteil herausstellen wird. Zu unserem Glück springt hier das Ehepaar P. aus Korschenbroich mit einer sachgebundenen Spende in Höhe von 3.000 Euro ein. Die Übernahme des noch fehlenden Teils der bei 8 TEUR liegenden Gesamtkosten für den in einer ziemlich schwierigen geologischen Gesteinsschichtung befindlichen und immerhin 25 m tiefen Brunnen sagt anschließend zu unserer großen Freude die „Stiftung Lichtblicke in der Welt“ zu, die schon seit Jahren sehr zuverlässig und immer wieder aufs Neue die Augenhilfe Afrika unterstützt. Wofür wir natürlich außerordentlich dankbar sind.

Eine Besonderheit in Zusammenhang mit dem Brunnenbau verdient noch kurze Erwähnung. An der Außenmauer der Klinik wird ein öffentlich zugänglicher Wasserhahn installiert, damit auch die örtliche Bevölkerung unmittelbar von dem qualitativ hochwertigen Wasser profitieren kann.

Der Brunnenbau …
… macht nach und nach …
… immer weitere Fortschritte

Mitte September sind die Bauarbeiten weit gediehen, und der Innenausbau ist in vollem Gange. Fliesenleger, Maler, Schreiner, Installateure und Elektriker geben sich quasi die Klinke in die Hand. Der Klinikneubau nähert sich mit Riesenschritten der Vollendung.

Gesamtansicht Mitte September
Der Innenausbau geht zügig voran.
Fliesen werden verlegt, …
… Sanitäranlagen und …
… Türen eingebaut.
Gesamtansicht Mitte Dezember

Anfang Dezember wird die neue Klinik an das öffentliche Stromnetz angeschlossen, und es fehlt außer einigen kleineren Restarbeiten nur noch die Installation der Wasserpumpe und die anschließende Inbetriebnahme der Brunnenanlage. Am 16. Februar 2021 ist es schließlich soweit. Erstmals fließt glasklares Brunnenwasser durch die Leitungen der neuen Klinik.

Das Funktionsprinzip der Anlage sieht folgendermaßen aus: Das aus dem Brunnen hochgepumpte Wasser wird in einem 3000-Liter-Tank zwischengespeichert (s. Foto), von wo es der Schwerkraft folgend zu den Wasserhähnen in der Klinik fließt. Bei Unterschreiten einer gewissen Füllhöhe wird der Tank mit Hilfe der Pumpe automatisch wieder aufgefüllt.

Inbetriebnahme der Wasserversorgung
Erstmals fließt Wasser durch die Leitungen.

Fast zeitgleich mit der Inbetriebnahme des Brunnens organisiert Dr. Cheuteu den Umzug aus der gemieteten alten in die neugebaute Augenklinik. Auch aus Yaoundé werden etliche Ein- und Ausrüstungsgegenstände antransportiert. Dies betrifft vor allem den Großteil der gespendeten Hilfslieferung aus dem Schiffscontainer mit dem Sanitätsmaterial der Bundeswehr (wir berichteten).

Dr. Cheuteu und seine Mitarbeiter räumen das Inventar aus der bisherigen Klinik …
… in unseren Pickup und bringen es damit zur neuen Klinik.
Zunächst sieht es …
… noch etwas unaufgeräumt aus, …
… doch bald …
… ist alles …
… an seinem Platz.

Als letztes wird die Bepflanzung des Eingangsbereichs sowie die Pflasterung der Zugangswege vorgenommen. Danach können Eröffnung und Inbetriebnahme der neuen Klinik erfolgen.

Die Außenarbeiten bilden den Abschluss der Bauarbeiten.

In der zweiten Märzwoche ist es soweit. Die neue Augenklinik in Ambam wird nach fast exakt einem Jahr Bauzeit eröffnet und in Betrieb genommen. Damit ergeben sich wie eingangs bereits angesprochen für die gesamte Region bis weit in die Nachbarländer Gabun und Äquatorial-Guinea hinein neue Perspektiven bezüglich der augenmedizinischen Versorgung der Bevölkerung.

Wir können somit voller Dankbarkeit das bisher größte Projekt der Augenhilfe Afrika mit Erfolg abschließen, was ja nur möglich wurde durch die tatkräftige und großzügige Hilfe unserer vielfältigen Spender und Unterstützer, allen voran der Else Kröner-Fresenius-Stiftung.

Dr. Raoul Cheuteu (r.) in der neuen Klinik
Augenuntersuchung in den neuen Räumlichkeiten
MTA Akpeny (r.) mit seinem lokalen Team. Es fehlen Augenoptikerin Dominique und der Wachmann.

Alles Weitere ist ab sofort quasi routinemäßiges Tagesgeschäft für Klinik-Direktor und MTA Anthony Akpeny und sein lokales Team sowie unsere beiden Augenärzte Dr. Raoul Cheuteu und Professor Dr. Giles Kagmeni, die regelmäßig aus Yaoundé kommend nach Ambam anreisen werden, um die anstehenden Operationen durchzuführen.