Der Korschenbroicher Verein „Augenhilfe Afrika“ hat mit Spendengeldern die erste Operationskampagne gegen Blindheit finanzieren können. Vorstandsvorsitzender Dr. Franz Thoren hat das Hilfsprojekt in Nord-Kamerun begleitet.

50 Menschen können wieder sehen

Der Korschenbroicher Verein Augenhilfe Afrika hat mit Spendengeldern die erste Operationskampagne gegen Blindheit finanzieren können. Vorstandsvorsitzender Dr. Franz Thoren hat das Hilfsprojekt in Nord-Kamerun begleitet.

Von Gundhild Tillmanns. Sehen, wie Blinde geheilt werden: Das erlebten jetzt zwei Vorstandsmitglieder des Korschenbroicher Vereins Augenhilfe Afrika Vereinsvorsitzender Dr. Franz Thoren erlebte in Kamerun eindrucksvoll mit, wie durch Grauen Star Erblindete nach ihrer Augenoperation wieder sehen können. Bewegende Momente, die unvergesslich bleiben werden, hat er in Kamerun erlebt. Die erst im September in Korschenbroich gegründete Augenhilfe Afrika hat durch Spenden bereits ihre erste Operationskampagne im Kampf gegen die Blindheit in Nord-Kamerun finanzieren können. Vor Ort hat sich Thoren nun davon überzeugen können, wie viel Gutes mit den Spenden getan werden kann und weiter getan werden muss.

Für solche Momente sind wir hier

sagt Franz Thoren tief beeindruckt, als er zum ersten Mal miterlebt, wie eine Blinde wieder sehen kann. Dr. Raoul Cheuteu zieht der frisch operierten Frau am nächsten Tag die Augenbinde ab. Sie ist bis dahin auf beiden Augen blind. „Ich kann sehen, ich kann wieder sehen“, ruft die Frau überglücklich. Und die Freudentränen laufen ihr die Wangen hinunter, tropfen sogar auf den Boden. „Jesus, ich kann sehen“, hebt sie beide Hände und betet. „Ihr seid ja weiß!“, wundert sie sich plötzlich.

Grauer Star, lautete die Diagnose bei dieser Frau, wie bei so vielen Afrikanern. Mangelernährung und die aggressiven UV-Strahlen der Sonne sind Gründe für das häufige Vorkommen dieser Krankheit auf dem afrikanischen Kontinent. Mehr noch ist es aber das Fehlen von medizinischer Versorgung. Vor allem arme Menschen in abgelegenen Regionen erblinden am Grauen Star, bevor sie in ihrem Leben überhaupt die Gelegenheit bekommen haben, jemals einen Augenarzt zu sehen.

 

Die Augenhilfe Afrika ist aber angetreten, den Blinden zu helfen. Gründungsmitglied und Partner in Kamerun ist Dr. Raoul Cheuteu, der in Korschenbroich auch jedes Jahr zum Mitfeiern von „Unges Pengste“ eingeflogen kommt. Doch nun fliegen die Vertreter der „Augenhilfe Afrika“ auf eigene Kosten gemeinsam mit Dr. Cheuteu von Yaundé, der Hauptstadt Kameruns, aus nach Mora in den nördlichsten Zipfel des Landes. Dort leben die Ärmsten der Armen in der Sahelzone, von Hunger und politischen Wirrnisen bedroht. Die radikalislamistische Gruppierung Boko Haram treibt dort ihr Unwesen, hat bereits mehrere Europäer entführt und Bombenanschläge auf christlichen Kirchen verübt. Die beiden „Bleichgesichter“ von der „Augenhilfe“ werden deshalb rund um die Uhr von schwer bewaffneten Polizisten bewacht.

Mora ist aber das Gebiet, wo es besonders viele Augenkranke und bereits Erblindete gibt. Das weiß Dr. Cheuteu, weil er im vorigen Jahr bereits in Mora kostenfrei 50 Menschen operiert und mehr als 200 untersucht hatte. Diesmal sind sogar noch mehr gekommen: 321 Augenkranke, die schon bis zu einer Woche vor dem Eintreffen der mobilen Augenklinik vor Ort lagern, sind teilweise von weither, sogar aus dem Sudan gekommen. 51 können Dr. Cheuteu und seine Partner Dr. Giles Kagmeni während der von der Augenhilfe Afrika finanzierten Hilfskampagne diesmal operieren.

Weitere 150 haben sie aber schon für das nächste Jahr auf die Warteliste setzen müssen, 50 davon leiden beidseitig am Grauen Star. Unter den Operierten sind auch eine Mutter und ihre beiden zehn- und fünfjährigen Söhne. Die vormals blinde Frau und ihr ältester Sohn, der kaum noch sehen konnte, sind im vorigen Jahr bereits jeweils an einem Auge operiert worden.
Nun kommt bei ihnen das zweite Auge an die Reihe. Für den erst Fünfjährigen ist es seine erste Operation, die er tapfer unter örtlicher Betäubung aushält. Im nächsten Jahr wird dann sein zweites Auge operiert. Für Familienvater Jussuf ist die Freude groß:

Ich habe jetzt eine richtige Familie, endlich können alle sehen

strahlt er vor Glück. Dr. Cheuteu und Dr. Kagmeni wollen diese Augenlicht bringenden Operationskampagne unbedingt fortsetzen. Sie operieren die Bedürftigen gratis. Zur Finanzierung des Operationsmaterials, wie Augenlinsen und Medikamente, hofft die Augenhilfe weiterhin auf Spender. Ein guter Anfang ist gemacht … aber es bleibt noch unendlich viel zu tun. „Aber Sehen ist Leben“, wissen die Menschen auf dem „dunklen“ Kontinent.

 

Dieser Beitrag erschien am 15.03.2014 in der Rheinischen Post.

Der Korschenbroicher Verein „Augenhilfe Afrika“ hat mit Spendengeldern die erste Operationskampagne gegen Blindheit finanzieren können. Vorstandsvorsitzender Dr. Franz Thoren hat das Hilfsprojekt in Nord-Kamerun begleitet.