In den ersten Jahren unserer Arbeit lag der Fokus der Augenhilfe ausschließlich auf Einsätzen mit unserer mobilen Augenklinik. Über 2.200 Operationen und 800 maßgeschneiderte Brillen in Kamerun sind das stolze Ergebnis. Doch mit dem Bau unserer Augenkliniken in Ambam (2021), Yaoundé (2023) und Mora (2025) hat sich unsere Aufgabe gewandelt: Wir bauen nun eine Infrastruktur auf, die dauerhaft bleibt und den Menschen vor Ort die Sicherheit einer festen Anlaufstelle bietet.



Hightech für den Urwald: Qualität ohne Kompromisse
Ein Klinikgebäude ist nur so gut wie das, was in ihm steckt. Damit Augenärzte wie unsere Freunde Dr. Raoul Cheuteu und Prof. Dr. Giles Kagmeni effektiv helfen können, brauchen sie Präzisionsinstrumente. Oft hören wir: „Für Afrika reicht das doch noch.“ Unsere Antwort darauf ist ein klares Nein. Wir wollen europäische Maßstäbe setzen, denn unzureichend ausgestattete Kliniken gibt es vor Ort bereits genug.



Von der Spaltlampe (dem Herzstück jeder Diagnose) über Tonometer zur Glaukom-Früherkennung bis hin zum OP-Mikroskop – die Liste der benötigten Geräte ist lang; zusammengerechnet ergibt sich im Fall von Neugeräten pro Klinik locker ein sechsstelliger Investitionsbedarf.
Um nicht alles teuer kaufen zu müssen, versuchen wir, noch voll funktionsfähige und gut erhaltene augenmedizinische und augenoptische Geräte als Sachspenden gegen Spendenquittung zu akquirieren.

Wichtig für Spender: Wir freuen uns über jedes Gerät, legen aber höchsten Wert auf den einwandfreien Zustand. Der Transport nach Afrika ist zu kostspielig, um defektes Material („Schrott“) zu verschiffen. Denn jeder Euro an Versandkosten soll direkt dem Augenlicht der Patienten zugutekommen, nicht dem Transport von unbrauchbarem Material. Qualität rettet Augenlicht, Schrott kostet nur Geld.
Das „Logistik-Zentrum“ in Korschenbroich
Während unsere Ärzte in Afrika operieren, findet der weniger sichtbare Teil der Arbeit in Deutschland statt. Hier kommt mein Bruder Günter Thoren ins Spiel. Er ist der Mann, bei dem alle Fäden (und Geräte) zusammenlaufen, weitgehend egal, ob es dabei um Abholung, Verpackung oder Versand geht. Er betreibt das zentrale Lager in Korschenbroich – oft bescheiden im Hintergrund, aber absolut unverzichtbar für unseren Erfolg.


Von der Praxis-Auflösung in den Container
Ob Geschäftsaufgaben von Optikern oder Praxis-Modernisierungen: Viele hochwertige Geräte sind noch lange nicht am Ende ihrer Lebensdauer angekommen. Unser Vorstandsmitglied und Augenoptikermeister Max Heinrichs beispielsweise nutzt seine Kontakte in der Augenoptiker-Community, um solche Schätze zu bergen.
Doch der Weg nach Afrika ist kein Selbstläufer:
- Abenteuer Abholung: Max Heinrichs und seine Frau Ulla fuhren beispielsweise 1.280 km (hin und zurück) in den Bayerischen Wald, um ein Optik-Inventar zu retten.
- Zoll-Kreativität: Bei einer Großspende aus der Schweiz wurde die deutsch-schweizerische Grenze zum Hindernisparcours aus Bürokratie. Wir nutzten unkonventionelle Feld-, Wald- und Wiesenwege (samt zugehörigen GPS-Daten), um die Fracht sicher nach Korschenbroich zu bringen.
- Einsatz bis zur Belastungsgrenze: Bei einer Praxisauflösung in Sachsen-Anhalt blieb Günter mit seinem Sprinter wegen eines Defekts liegen. Er benötigte mehrere Fahrten und viel Geduld, bis die zentnerschweren Geräte sicher bei ihm im Lager standen.




Verpackung ist Millimeterarbeit
Im Lager in Korschenbroich wird Günter zum Spezialisten für Sonderanfertigungen. Da nicht jedes Gerät in eine Standard-Zarges-Kiste passt, baut er oft maßgeschneiderte Holz- oder Metallkisten. In der Werkstatt wird intensiv geschraubt, gepolstert und verpackt, damit die empfindlichen Geräte die bis zu 1.000 Kilometer langen Fahrten über Stock und Stein von den Häfen in Douala (Kamerun) oder Walvisbay (Namibia) bis tief ins Hinterland heil überstehen.







Vorbereitung zur Verschiffung
Die für Kamerun bestimmten Sachspenden werden im nächsten Schritt zum Lager unseres Partners Bon Secours Kamerun in Euskirchen gebracht. Von dort gehen mehrfach im Jahr Container mit Hilfsgütern nach Kamerun.






Ein starkes Netzwerk
Ohne Partner wäre die Realisierung des beschriebenen Geschehens unmöglich. Wir danken herzlich:
- Georg Schorn (Bon Secours Kamerun), dessen Team in Euskirchen unsere Hilfsgüter per Container auf die Reise schickt.
- Wenzel Catima (Catima Forwarding), der als gebürtiger Namibier unsere Hilfe für sein Heimatland logistisch unterstützt.
- Den Stiftungen Lichtblicke in der Welt und Kinder sollen sehen, der Anita-Keijzer-Stiftung, WMF Barmherzigkeit und dem Lions Club.
- Und ganz pauschal allen weiteren Spendern, die uns seit Jahren die Treue halten.
Am Ende steht Dr. Raoul Cheuteu in Mora und installiert Geräte, die vielleicht vor wenigen Monaten noch in einer deutschen Praxis standen. Ein langer Weg liegt hinter diesen Geräten, der sich aber mit jedem Patienten, der wieder sehen kann, tausendfach auszahlt.


