Das Gründungsdatum unseres gemeinnützigen Vereins Augenhilfe Afrika e.V. ist der 16. September 2013. Ursprünglich geht es um den Aufbau einer mobilen Augenklinik in Kamerun und darum, die beiden einheimischen Augenärzte Dr. Raoul Cheuteu und Dr. Giles Kagmeni bei der Behandlung unterversorgter Patienten in den entlegensten Winkeln des Landes zu unterstützen. Dieses Ziel gehen wir von Beginn an entschlossen an: Bereits im Frühjahr 2014 führen wir in Mora (Nord-Kamerun) eine erste Operationskampagne durch.
Weitere Aufgaben folgen rasch – darunter der Aufbau einer im südkamerunischen Ambam lokalisierten Augenoptikerwerkstatt, die in der Folge bei unseren Operationskampagnen mitgeführt wird, der Bau von drei eigenen Augenkliniken in Kamerun (Ambam 2021, Yaoundé 2023, Mora 2025) sowie schließlich die Erweiterung unseres Betätigungsfeldes auf die Länder Namibia und Uganda.
Unser Gründungs- und Vorstandsmitglied Max Heinrichs, von Beruf Augenoptikermeister, sorgt schon 2014 für die Ausgestaltung und Einrichtung der angesprochenen Augenoptikerwerkstatt in Ambam. Immer wieder reist er dann nach Kamerun, kümmert sich um die Beschaffung und Inbetriebnahme von augenoptischem Gerät und bildet das einheimische Personal aus.

In der Anfangszeit wird er mehrfach von Fachpersonal aus Deutschland unterstützt. Augenoptikermeisterin Natascha Happerschoß aus Mönchengladbach und Augenoptikerin Jacqueline Christine Steiner aus Memmingen verbringen einen wesentlichen Teil ihres Jahresurlaubs bzw. ein mehrmonatiges Praktikum in Kamerun und helfen bei verschiedenen Kampagnen tatkräftig mit.


Der hohe Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften bringt uns dazu, gezielt nach geeignetem einheimischem Nachwuchs Ausschau zu halten und dessen Ausbildung komplett zu organisieren und zu finanzieren. Im Laufe der Jahre ermöglichen wir drei jungen Kamerunern die Ausbildung zum Augenoptiker bzw. zur Augenoptikerin: Als Erste schließt Dominique Chieuteu ihre Ausbildung im Jahr 2019 erfolgreich ab, gefolgt von Antoinette Bassom und Habaga Elisée. Zudem lassen wir Audrey Tikombouo und Faiçal zur Krankenschwester bzw. zum Krankenpfleger ausbilden. Damit haben wir fünf jungen Menschen zu einer fundierten Qualifikation verholfen, die ihr weiteres Leben nachhaltig verbessert.
Schon während ihrer Ausbildung nehmen diese jungen Leute regelmäßig an unseren OP-Kampagnen teil. In kürzester Zeit lernen sie dabei eine außergewöhnliche Vielfalt an Krankheitsbildern kennen, die ihnen im normalen Berufsalltag wohl kaum so kompakt begegnen würde.
Am Anfang jeder Kampagne in den abgelegenen Regionen des Landes steht die Erfassung der Sehfähigkeit. In vielen Fällen reicht bereits eine einfache Lesebrille aus, um die Nahsicht signifikant zu verbessern. Solche Brillen haben wir meist in größeren Mengen vorrätig und können sie direkt vor Ort abgeben. Bei Bedarf fertigen unsere Augenoptiker jedoch auch passgenaue Brillengläser an, die in vorhandene Fassungen eingearbeitet werden.
Für die Augenoptiker stehen ganz offensichtlich nicht die OP-Patienten im Fokus, sondern jene Menschen, deren Sehvermögen durch eine individuelle Sehhilfe korrigiert werden kann.






Ist die Vermessung abgeschlossen, wählen die Patienten ein passendes Gestell aus, woraufhin die Gläser exakt zugeschnitten und eingesetzt werden. Die Gestelle werden dabei keineswegs beliebig zugeteilt: Auch in Afrika gibt es ein ausgeprägtes Modebewusstsein. Jeder Patient darf sein Modell aus einer großen Auswahl selbst aussuchen. Denn neben dem Wieder-sehen-Können spielt das eigene Erscheinungsbild eine wichtige Rolle.







Besonders am Herzen liegt uns die rechtzeitige Behandlung von Kindern, die vor Ort aus unterschiedlichen Gründen oft versäumt wird – sei es durch fehlendes Problembewusstsein der Eltern, mangelnde medizinische Angebote oder fehlende finanzielle Mittel. Bei unseren Kampagnen begegnen uns immer wieder fünf- oder sechsjährige Mädchen und Jungen, die aufgrund einer zu spät erfolgten Behandlung für ihr gesamtes Leben erblindet sind. Das ist zutiefst erschütternd – vor allem mit dem Wissen, dass eine rechtzeitige Hilfe dies in vielen Fällen hätte verhindern können.


Neben dem selbst ausgebildeten Nachwuchs stoßen über die Jahre immer wieder erfahrene Fachkräfte zu uns. Eine von ihnen ist Ezechiel. Er ist fest in Ambam stationiert und nimmt 2022 an der OP-Kampagne in Mokolo teil. Dort erweist er sich als überaus geschickter Handwerker mit einem sehr einfühlsamen Zugang zu den unterschiedlichen Patientinnen und Patienten.


Mit ihren neuen Brillen gewinnen die Menschen ein großes Stück Lebensqualität zurück. Sie können wieder am Alltag teilnehmen und alltägliche Gefahren besser einschätzen – etwa beim Umgang mit offenem Feuer, der in Afrika häufig zu schweren Verbrennungen führt. Das verbesserte Sehvermögen senkt dieses Unfallrisiko enorm.






Fazit:
Wenn von der Arbeit der Augenhilfe Afrika gesprochen wird, stehen oft die chirurgischen Operationskampagnen im Vordergrund. Der Beitrag der Augenoptik gerät dabei auch schon rein sprachlich manchmal etwas in den Hintergrund. Doch die mobile Werkstatt und das optische Team stellen eine ebenso unverzichtbare Säule unserer Arbeit dar: Sie schenken Menschen ihr Sehvermögen zurück und ermöglichen ihnen ein selbstbestimmtes und sicheres Leben.