Seit Anfang 2026 widmen wir uns einem neuen, wichtigen Schwerpunkt: Im ländlich geprägten Osten Ugandas unterstützen wir das Holy Innocents Hospital Kamutur beim Aufbau einer eigenen augenmedizinischen Abteilung. Hinter diesem Krankenhaus steht eine zutiefst bewegende und ungewöhnliche Entstehungsgeschichte, die ich Ihnen gerne vorstellen möchte.
Im Jahr 2010 brachte die Frau von Moses Aisia – dem heutigen Direktor des Hospitals – ihr erstes Kind zur Welt. Aufgrund der katastrophalen medizinischen Versorgung vor Ort verstarb das Neugeborene jedoch kurz nach der Geburt. Nur zwei Jahre später, 2012, wiederholte sich dieses furchtbare Drama: Auch das zweite Kind des jungen Paares überlebte nicht.
Völlig am Boden zerstört, aber fest entschlossen, anderen Familien dieses unendliche Leid zu ersparen, traf die Familie im Jahr 2014 eine mutige Entscheidung: Sie wollten eine bestehende, äußerst primitive Krankenstation – die damals aus kaum mehr als einer baufälligen Hütte bestand – zu einem echten Krankenhaus ausbauen. Angesichts der eigenen Vorgeschichte lag der erste Schwerpunkt ganz klar auf einer Geburtsstation. Als Namen für die Klinik wählten sie in liebevollem Gedenken an ihre beiden verlorenen Kinder Holy Innocents Hospital – das „Hospital der heiligen unschuldigen Kinder“.
Nach und nach wuchs die Klinik um weitere medizinische Abteilungen, darunter die Chirurgie und ab 2022 schließlich auch die Augenheilkunde.





Das Besondere an dieser Entwicklung: Moses Aisia hat selbst keinerlei medizinischen Hintergrund. Bevor er diese Lebensaufgabe annahm, hatte er als engagierter Sozialpionier jahrelang landwirtschaftliche Frauenkooperativen dabei unterstützt, ertragreiche und nachhaltige Wirtschaftsformen aufzubauen. Was ihm an medizinischem Fachwissen fehlte, glich er durch eine klare Vision, unbändigen Enthusiasmus und eine enorme Hartnäckigkeit aus. Gepaart mit seinem herausragenden Organisations- und Managementtalent begann er, Unterstützer zu suchen, wo immer er sie finden konnte.
Heute schließt sich für uns der Kreis: Zu den Organisationen, die Moses Aisia beim Aufbau der Augenklinik zur Seite stehen, gehören auch langjährige, verlässliche Partner der Augenhilfe Afrika. Unter anderem arbeiten hier das Deutsche Katholische Blindenwerk in Bonn sowie Barmherzigkeit International in Wien Hand in Hand, um den Menschen in Kamutur das Augenlicht zu bewahren oder wiederzugeben.


Wenn man das Krankenhausgelände mit seinen sauberen Anlagen und den einfachen, aber äußerst funktionalen Gebäuden betrachtet, kann man kaum glauben, dass hier vor gut zehn Jahren lediglich eine armselige Krankenstation stand. Und es geht Schritt für Schritt weiter.
Der Aufbau des Personals im augenmedizinischen Bereich ist bereits in vollem Gange. Ein aus Kenia stammender Augenarzt ist seit Längerem aktiv, zwei Augenoptiker sorgen für die Ausstattung Sehbehinderter mit maßgeschneiderten Brillen, und weiteres Fachpersonal unterstützt das Team oder wird derzeit sukzessive eingestellt und angelernt. Immer wieder reisen auch Ärzte aus Europa und Amerika für einige Wochen nach Kamutur, um ehrenamtlich Untersuchungen und Operationen durchzuführen. Dies gilt für verschiedene medizinische Fachbereiche – und eben auch für die Augenheilkunde.


Hilfe direkt vor Ort: Die Outreach-Einsätze
Um der Bevölkerung in den umliegenden Dörfern den Zugang zu augenmedizinischen Behandlungen zu erleichtern, führt das Hospital regelmäßig sogenannte Outreach Camps durch – mobile Außeneinsätze in Dörfern, Schulen und Pfarrgemeinden.
Die Zahlen sprechen für sich: Allein in den Monaten von März bis Juni 2026 wurden mehr als 9.000 Augenuntersuchungen durchgeführt. Dabei konnten 567 Patienten identifiziert werden, die dringend eine Operation am Grauen Star (Katarakt) benötigen. Diese Patienten werden ab August sukzessive in Kamutur operiert – von dem kenianischen Augenarzt sowie weiteren hinzugezogenen Augenchirurgen aus dem In- und Ausland.






Schicksale, die berühren: Fünf Geschichten aus Kamutur
Einige der Krankheitsgeschichten aus den vergangenen Monaten zeigen besonders eindringlich, wie wichtig diese Hilfe vor Ort ist:
Peter (10) – Endlich wieder schmerzfrei lernen
Peter ist ein zehnjähriger Schüler mit schweren Augenproblemen. Ständige Schmerzen raubten ihm nachts den Schlaf, weshalb er auch im Unterricht häufig fehlte. Seine Eltern konnten sich weder die weite Fahrt zum nächsten Augenzentrum noch die dortige Behandlung leisten. So schritt die Entzündung in seinen Augen ungehindert fort.
Bei einer Outreach-Aktion des Hospitals an seiner Schule bekam er endlich die ersehnte Hilfe: Die Entzündung wurde erfolgreich therapiert. Zudem erhielt er eine passgenaue Sehhilfe sowie eine spezielle Brille zum Schutz vor der starken Sonneneinstrahlung. Bei einer rechtzeitigen Behandlung hätte alles viel einfacher sein können – genau deshalb ist die Früherkennung direkt an den Schulen so unschätzbar wichtig.

Juma Emong – Ein neues Selbstbewusstsein
Der Schüler Juma Emong saß meist ganz hinten in seinem überfüllten Klassenzimmer und starrte verständnislos auf die Tafel. Für ihn waren die geschriebenen Buchstaben nichts als verschwommene, tanzende Formen. Da er ständig die Augen zusammenkneifen musste, deutete sein Lehrer dies fälschlicherweise als Konzentrationsmangel und Desinteresse. Jumas Noten rutschten immer weiter ab.
Die Wende kam mit dem Besuch des Outreach-Teams an seiner Schule: Bei der Untersuchung wurde eine ausgeprägte Kurzsichtigkeit festgestellt. Als Juma seine neue Brille zum ersten Mal aufsetzte, ging ein strahlendes Lächeln über sein Gesicht. Zum ersten Mal in seinem Leben sah er die Schrift an der Tafel glasklar. Innerhalb weniger Wochen kehrten sein Selbstvertrauen und der schulische Erfolg zurück – ein Beweis dafür, wie viel Potenzial gutes Sehen freisetzen kann.

Emmanuel Okello (16) – Wenn die Welt wieder scharf wird
Auch für den 16-jährigen Emmanuel Okello war die Schultafel lange Zeit nur ein verschwommener grüner Fleck. Er litt regelmäßig unter starken Kopfschmerzen. Auch in seinem Fall vermutete der Lehrer fälschlicherweise mangelndes Interesse, ohne zu ahnen, dass Emmanuel unter einem unkorrigierten Sehfehler litt.
Im Juni brachte der Besuch des Outreach-Teams an seiner Schule die Erlösung. Die Spezialisten stellten eine extreme Kurzsichtigkeit fest. Nur zwei Wochen später erhielt Emmanuel seine maßgeschneiderte Brille. Sie veränderte seine Welt komplett: Heute kann er von jedem Platz im Klassenzimmer problemlos mitlesen, was an der Tafel steht, seine Kopfschmerzen sind verschwunden, und er kann sich wieder voll auf den Unterricht konzentrieren.

Adeke Mary (52) – Existenzsicherung für eine ganze Familie
Natürlich erreichen die Einsätze nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene. Die 52-jährige Adeke Mary aus dem Dorf Komongomeri ist fünffache Mutter und ernährt ihre Familie allein durch den Verkauf von Tomaten auf dem lokalen Markt. Als ihr Sehvermögen aufgrund eines beginnenden Grauen Stars nachließ, geriet ihre Existenz ins Wanken: Sie konnte reife nicht mehr von faulen Tomaten unterscheiden und wurde beim Bezahlen regelmäßig betrogen, weil sie die Geldscheine nicht mehr richtig erkennen konnte.
Ihre Untersuchung zeigte zwar die Notwendigkeit einer Operation, doch angesichts vieler noch kritischerer Fälle, bei denen der vollständige Sehverlust unmittelbar drohte, musste ihre Behandlung vorerst zurückstehen. Eine perfekt angepasste Brille reichte bereits aus, um ihr das Leben zurückzugeben. Heute kann Adeke Mary ihre Arbeit auf dem Markt wieder erfolgreich und sicher fortführen.


Der Katechet Joseph (45) – Wieder im Dienst seiner Gemeinde
Joseph ist ein engagierter Katechet, der seinen Dienst in der katholischen Kirche von Kadacar verrichtet. Als sein Augenlicht immer schwächer wurde, fiel es ihm zunehmend schwerer, seiner Gemeinde bei den Gottesdiensten aus der Heiligen Schrift vorzulesen.
Das Outreach-Team diagnostizierte einen Sehfehler und fertigte eine passende Brille für ihn an. Mit neuer Energie und klarem Blick kann Joseph nun seiner Gemeinde wieder uneingeschränkt zur Seite stehen.

Ein Blick in die Zukunft
Die oben erwähnten 567 anstehenden Katarakt-Operationen werden ab August im Rahmen eines sogenannten Eye Care Surgical and Treatment Camps sukzessive direkt im Holy Innocents Hospital Kamutur durchgeführt. Für diese Menschen bedeutet der Eingriff das Ende einer oft jahrelangen Isolation und den Beginn eines völlig neuen, selbstbestimmten Lebens.

Wie in unseren bisherigen Projektgebieten in Kamerun und Namibia gibt es auch in Uganda unendlich viel zu tun. Wir helfen dort, wo die Not am größten ist – doch diese lebensverändernde Arbeit ist nur durch Ihre großzügige Unterstützung möglich.
Wenn Sie den Menschen in Kamutur und den umliegenden Dörfern ihr Augenlicht und damit eine Perspektive für die Zukunft schenken möchten, unterstützen Sie uns bitte mit einer Spende. Jeder Beitrag kommt direkt an und bewirkt Großes.
Von Herzen danke ich Ihnen für Ihre treue Unterstützung!
