Im Juli 2025 kehrte unser Ärzteteam nach Kumba im vom Bürgerkrieg zerrütteten Südwesten Kameruns zurück und erzielte dort einen neuen Operationsrekord. Unter schwierigsten Bedingungen führte es 152 Augenoperationen durch – ein bemerkenswerter Erfolg, der den bisherigen Rekord von 103 OPs in Bafang vom Dezember 2024 deutlich übertraf. Fast alle Eingriffe (149) waren Katarakt-Operationen, die vielen Menschen ihr Augenlicht zurückgaben.
Kumba: Eine Region im Schatten des Konflikts
Kumba, die Hauptstadt des Departements Mémé in der englischsprachigen Southwest Region Kameruns, ist seit 2016 Schauplatz eines brutalen Bürgerkriegs. Separatisten kämpfen für die Abspaltung der englischsprachigen Regionen Northwest und Southwest vom französischsprachigen Rest Kameruns. Dieser Konflikt hat bereits über 3.500 Menschen das Leben gekostet und mehr als 700.000 zur Flucht gezwungen. Leider findet dieser blutige Konflikt in den deutschen Medien kaum Beachtung.

Das engagierte Team vor Ort
Die Verbindung zum Kumba Regional Hospital Annex und der Augenkrankenschwester Clara Menondem war entscheidend für den Erfolg dieser und einer vorangegangenen früheren Kampagne. Clara, die eine umfassende augenheilkundliche Weiterbildung an der von Prof. Dr. Giles Kagmeni geleiteten Augenabteilung der Universitätsklinik Yaoundé absolviert hat, überzeugte Prof. Kagmeni, erneut nach Kumba zu kommen.

Dieses Mal wurde das Team durch Dr. Raoul Cheuteu und unseren bewährten Medizinisch-Technischen Assistenten (MTA) Fred Chilla verstärkt. Zusätzliche Unterstützungskräfte stellte das Kumba Regional Hospital zur Verfügung.
Gefährliche Anreise, schnelle Erfolge
Die Reise nach Kumba war, wie erwartet, eine Herausforderung. Unser Ärzteteam wurde in Buea, das bereits zur Bürgerkriegsregion gehört, in einem als Krankenwagen klar erkennbaren Fahrzeug abgeholt. Glücklicherweise erwies sich die Annahme, dass Krankenwagen und ihre Insassen verschont bleiben, als richtig. Die Straßenverhältnisse waren katastrophal – tiefe, regengefüllte Schlaglöcher zwangen oft zu Schrittgeschwindigkeit. Nach elf anstrengenden Stunden Fahrt von Yaoundé aus erreichte das Team schließlich das Kumba Regional Hospital Annex.





Sofort nach der Ankunft begann das Team mit der Einrichtung der Untersuchungs- und Operationsräume. Dank Clara Menondems Vorarbeit, die bereits zahlreiche Hilfsbedürftige untersucht und für die OPs eingeteilt hatte, konnten die Operationen schon am Ankunftstag, einem Dienstag, beginnen. Trotz eines Stromausfalls und des Ausfalls des Notstromgenerators konnten unsere beiden Augenchirurgen bereits am ersten Tag 25 Operationen durchführen – eine beeindruckende Leistung.












Operationen unter erschwerten Bedingungen
Die Aufgabenteilung war klar: Prof. Dr. Giles Kagmeni operierte, während Dr. Raoul Cheuteu die Anästhesie und das gesamte „Drumherum“ wie Organisation, Patientenführung und Anlegung der Verbände übernahm. Dr. Cheuteu, der selbst ein erfahrener Katarakt-Operateur ist, entlastete Prof. Kagmeni somit erheblich.







Ein tragischer Vorfall überschattete die Kampagne: Ein Katarakt-Patient erlitt auf dem Weg zum Krankenhaus als Beifahrer in einem PKW einen Frontalzusammenstoß, bei dem er das zu operierende Auge verlor und schwere Gesichtsverletzungen davontrug. Prof. Kagmeni führte eine Eviszeration durch, während Chirurgen des Krankenhauses versuchten, das Gesicht so gut wie möglich zu rekonstruieren. Unser Team versprach, dem Mann nach seiner Genesung eine Augenprothese zu besorgen – ein kleiner Trost für einen verheerenden Verlust.
Die Regenzeit erschwerte den Patienten die Anreise zum Krankenhaus erheblich. Am Freitag, dem vierten Tag der OP-Kampagne, konnten von geplanten 41 OPs nur 30 durchgeführt werden, da viele Patienten es nicht schafften, das Krankenhaus rechtzeitig zu erreichen. Daher wurden auch am Samstag noch 35 Operationen vorgenommen, um allen Wartenden helfen zu können. Gegen Ende der Kampagne war das Krankenhaus so überfüllt, dass Patienten auf Matratzen im Gang übernachten mussten.


Der Kampf gegen Flussblindheit: Zwei Ansätze
Auch bei der OP-Kampagne in Kumba spielte das Thema Flussblindheit (Onchozerkose) eine gewichtige Rolle. Wir haben bereits mehrfach über diese Krankheit und die finanzielle Unterstützung durch die deutsche NGO WMF Barmherzigkeit und ihre österreichische Schwesterorganisation WMF International berichtet, zuletzt im Bericht „OP-Kampagne in Ngaoundéré“ vom 2. Juni 2025.
Bei den Untersuchungen in Kumba wurde festgestellt, dass 52 der insgesamt 152 operierten Augen – also ein Drittel der Fälle – an einem sekundären Katarakt oder einer Post-Uveitis litten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind diese Augenerkrankungen die direkte Folge einer vorhergehenden Erkrankung an Flussblindheit.
Der Schwerpunkt in Kumba lag also auf der Behandlung der Spätfolgen. Der Ansatz konzentrierte sich quasi auf das „Ende der Pipeline“, indem die durch Flussblindheit verursachte Erblindung durch Katarakt operativ behoben wurde.
Im Gegensatz dazu verfolgte die Kampagne in Ngaoundéré einen anderen Ansatz: Dort wurde die durch Flussblindheit ausgelöste Entzündung, die häufig zu einer Erblindung führt, schon am Beginn des Krankheitsprozesses bekämpft.
Beide Ansätze sind von entscheidender Bedeutung, um den betroffenen Patienten zu helfen und die Auswirkungen dieser heimtückischen Krankheit zu lindern.
Ein herzlicher Dank und zukünftige Hoffnung
Der Direktor des Krankenhauses in Kumba bedankte sich in einem ausführlichen Schreiben bei der Augenhilfe und insbesondere bei Prof. Kagmeni und Dr. Cheuteu. Eine sehr nette Geste, die die Wertschätzung für die geleistete Arbeit unterstreicht.

Die erfolgreiche Kampagne in Kumba ist ein Beweis für die unermüdliche Hingabe unseres Teams und die Hoffnung, die wir den Menschen in dieser vom Konflikt gezeichneten Region bringen können.