Augenhilfe erstmals in Äquatorialguinea

Die strategische Lage der Augenklinik in Ambam im Dreiländereck von Kamerun, Gabun und Äquatorialguinea ist ihr größter Trumpf – doch genau diese Grenznähe wurde während der Corona-Pandemie zum massiven Nachteil. Über Jahre hinweg waren sowohl die Grenzen zu Gabun als auch zu Äquatorialguinea streng abgeriegelt. Während Gabun die Grenze vor wenigen Monaten wieder öffnete, folgte auch Äquatorialguinea inzwischen nach.

Lage von Ebibeyin in Äquatorialguinea (weiß gekennzeichnet), von Ambam und den beiden im Text genannten Orte Oyem und Bitam in Gabun
Detailansicht der geografischen Situation

Ein unterbrochener Patientenstrom

Vor der Corona-Pandemie war es für Patienten aus den beiden Nachbarländern völlig normal, für Augenbehandlungen oder auch die Anfertigung einer neuen Brille nach Ambam zu kommen. Denn unsere Augenklinik dort liegt jeweils nur gut 20 Kilometer von den Grenzen entfernt. Durch die jahrelange Abschottung brach der Patienten-Strom aus beiden Nachbarländern dann jedoch abrupt ab. Dies traf unsere 2021 – mitten in der Pandemie – eröffnete neue Augenklinik in Ambam hart: Die Einnahmen blieben weit hinter den Erwartungen zurück, da ein Großteil des potenziellen Einzugsgebiets schlichtweg ausgesperrt war.

Premiere in Ebibeyin

Der im Folgenden beschriebene Einsatz im Februar 2026 markiert eine wichtige Zäsur: Erstmals ist die Augenhilfe Afrika selbst nach Äquatorialguinea gegangen, um vor Ort in Ebibeyin Untersuchungen durchzuführen, die für die Patienten kostenlos waren. Mit rund 32.000 Einwohnern ist Ebibeyin, gelegen im Dreiländereck unweit von Ambam, die drittgrößte Stadt des Landes.

Spanischsprachiges Plakat zur Information über die kostenlosen Augenuntersuchungen in Ebibeyin
Das sehr einfache Krankenhaus Monte Sion in Ebibeyin
Bei der Patientenanmeldung

Während wir in Gabun bereits vor knapp zehn Jahren in Oyem und Bitam mit Untersuchungs- und Operationskampagnen aktiv waren, ist dies in Äquatorialguinea eine Premiere. Ziel ist es, die Klinik in Ambam im Land wieder bekannt zu machen und die Patienten zu bewegen, für ihre OPs bzw. für neue Brillen die kurze Strecke über die Grenze nach Ambam zu kommen.

Ein Land der Gegensätze

Äquatorialguinea unterscheidet sich deutlich vom großen Nachbarn Kamerun:

  • Kultur: Als einziges afrikanisches Land mit Spanisch als Amtssprache ist es kulturell eigenständig.
  • Struktur: Mit ca. 1,6 Millionen Einwohnern auf 28.000 km² ist es flächenmäßig klein, aber durch Rohstoffe statistisch wohlhabend.
  • Realität: Dieser Wohlstand erreicht die breite Bevölkerung aber kaum; die Menschen sind i. d. R. sehr arm und ohne Zugang zu fachärztlicher Hilfe.

Nächste Schritte zur Standortsicherung

Unsere Präsenz in Ebibeyin soll helfen, die nötige Auslastung in Ambam wiederherzustellen, um unseren Klinikstandort wirtschaftlich stabil zu halten. Vom 4. – 6. Februar untersuchte MTA Anthony Akpeny, der Klinikchef von Ambam, mit einem kleinen Team bei einem mobilen Einsatz in der Monte Sion Klinik in Ebibeyin eine Vielzahl von Patienten. Die Fotos gewähren einen gewissen Einblick in die erkennbar ärmliche Umgebung.

MTA Anthony Akpeny …
… bei der Untersuchung einer Patientin in Ebibeyin

18 maßgeschneiderte Brillen wurden von unserem mitgereisten Augenoptiker angefertigt und 10 Katarakt- bzw. Graue-Star-Fälle identifiziert, die alle am 6. März zur Operation in Ambam vorgesehen sind. Ein erster Schritt zur stärkeren Einbeziehung von Patienten aus Äquatorialguinea ist also gemacht. Weitere sollen folgen. Bereits im April wird Anthony Akpeny mit seinem Team ein weiteres Mal nach Äquatorialguinea reisen, um die Patientenbetreuung und -gewinnung dort fortzusetzen.